Das Zimmer in Namche Bazar kannten wir ja schon, trotzdem war die Nacht schon schwer. Wir hätten unter normalen Umständen sicherlich gut geschlafen, aber die Halsschmerzen waren einfach zu schlimm.
Wir wollten noch nicht mit dem Antibiotikum beginnen, wenn wir noch eine anstrengende Etappe vor uns haben. Nachts hatte ich lange mit mir gerungen, vielleicht doch einen Helikopter zu bestellen. Das hätte uns einerseits viel Mühe erspart und wir wären direkt nach Kathmandu geflogen. Andererseits hätten wir erst mit der Versicherung telefonieren müssen und wir wollten um 6:30 Uhr losgehen. Das heißt, wir hätten das nach deutscher Zeit Sonntagfrüh um 2:30 Uhr klären müssen.
Irgendwie war es dann soweit und Yeşim forderte mich auf, mich fertig zu machen, die Tasche zu packen und loszugehen. Und das tat ich dann auch. Wir frühstückten etwas, wobei wir kaum etwas herunterschlucken konnten. Dann, um 6:40, verließen wir die Lodge in Namche Bazar.
Da das Hotel ganz oben im Ort angesiedelt ist, mussten wir erst einmal durch den gesamten Ort laufen. Unsere Hoffnung war, dass die Apotheke geöffnet wäre, damit wir uns noch etwas gegen die Halsschmerzen kaufen könnten. Leider waren beide Apotheken noch geschlossen.
So ging es dann ohne Hilfsmittel in die 19 Kilometer lange Doppeletappe.
Der erste Teil von Namche Bazar ging größtenteils bergab, aber leider auch immer wieder bergauf. Yeşim ging den größten Teil voraus, ich habe mich einfach auf ihre Füße konzentriert und bin – völlig im Tunnel – hinterher. Die Natur wurde viel grüner und lebendiger. Wir kamen wieder mehr an Dörfern, Tieren und Flüssen vorbei. Aber all das blendete ich nur aus. Ich wollte nur die Etappe zu Ende bringen.
Um 11:40, also nach 5 Stunden mühsamer Auf- und Abstiege, kamen wir in Phakding in der See-You-Lodge an. Dort aßen wir eine Suppe und machten uns zügig wieder auf den Weg. Denn es zeichnete sich Regen ab.
Der zweite Abschnitt – von Phakding nach Lukla – ging nun größtenteils bergauf. Ca. 200 Höhenmeter trennen die beiden Orte. Aber es ging halt nicht nur bergauf. Hatte man gefühlt 150 Meter unter schlimmster Mühsal geschafft, ging es hinter der nächsten Kurve wieder 80 Meter herunter. Das lief sich zwar einfacher, aber man wusste, jeder Schritt nach unten muss auch wieder nach oben gemacht werden. Sisyphos lässt grüßen.
Und dann fing der Regen an. Ausgerechnet jetzt. Es hatte 2 Wochen auf unseren Touren nicht geregnet. Erst waren es nur ein paar Tropfen. Dann war es doch so viel, dass wir anhalten und unsere Regenjacken anziehen mussten. Die Rucksäcke sind auch nicht wasserdicht, die haben eine Schutzhülle im unteren Fach, die man herausziehen und über den Rucksack stülpen kann.
Die ganze Prozedur ist anstrengend und lästig. Und geht man dann weiter, schwitzt man so richtig. Und es ist plötzlich alles glatt. Der Sand und der Kot der Tiere, der überall herumliegt, ergeben einen rutschigen Film auf den Steinen. Schwierig bei bergauf, aber auch bei bergab.
Dann nach ein paar Minuten ist der Regen weg. Man lässt die Jacke aber noch an. Irgendwann zieht man sie doch wieder aus, weil es einfach zu heiss wird. Kaum hat man das getan und geht weiter, fängt der Regen wieder an. Und das alles bergauf.
Das letzte Stück vor Lukla ging dann noch mal so richtig in die Beine. Irgendwie hörte es nicht auf. Hinter jeder Kurve sah man, dass der Weg doch noch weiter bergauf ging. Es hatte zwischenzeitlich zu regnen aufgehört, jetzt kurz vor Ende ging es noch mal richtig los. Unfassbar.
Völlig erschöpft erreichten wir Lukla. Wir torkelten durch den Ort. An einem Geldautomaten hob ich noch Trinkgeld for den Träger ab. Dann erreichten wir um 15 Uhr die Buddha Lodge in Lukla. 8 Stunden und 20 Minuten hatten wir für die knapp 19 Kilometer benötigt.
Wir tranken kurz etwas heißes Wasser und gingen dann in unser Zimmer. Aber wir wollten auf jeden Fall noch einen Arzt sehen, damit wir Medikamente bekommen könnten. Antibiotika hatten wir ja, aber etwas gegen die akuten Halsschmerzen wäre wünschenswert. Also stiegen wir noch einmal ca. 10 Minuten bergauf zu einem Hospital. Dort hieß es dann, es sei urlaubsbedingt geschlossen. Uns blieb nichts übrig, wieder zurück zu trotten.
Abends sollte das Abschiedsessen mit den Guides und den Trägern stattfinden. Deswegen legten wir uns noch einmal hin und rafften uns mühsam um 18:30 Uhr auf.
Alle hatten sich im großen Gastraum versammelt. Es war eine sehr gelöste, lustige Atmosphäre. Nur wir waren leider etwas zu müde dafür.
Das Abendessen war sehr nett. Wir waren zu viert an einem Tisch. Unser Guide hatte ausdrücklich gesagt, dass man in Lukla durchaus Fleisch essen könne. Das taten wir dann alle. Brem, der Träger, und Naran aßen ein Curry mit Fleisch, Yeşim ein Pfeffersteak und ich eine Hühnchen-Pilz-Suppe. Wir unterhielten uns noch einmal nett und tranken zusammen nepalesischen Rum. Brem blieb lieber bei Cola.
Gegen 20 Uhr verabschiedeten wir uns dann aber. Vor allem bei Brem, den wir nicht mehr wiedersehen werden. Wir gaben ihm ein ordentliches Trinkgeld.
Naran brachte uns noch zu unserem Zimmer und schlug vor, dass wir alles soweit packen sollten, damit wir morgen nicht mehr so viel Stress hätten. Er würde uns um 5:30 Uhr abholen. Wir verabschiedeten uns bei ihm und gaben ihm ebenfalls ein gutes Trinkgeld.
Yeşim ging dann auch sofort zu Bett. Ich habe tatsächlich alles soweit gepackt und vorbereitet. Aber jetzt muss ich auch schlafen, morgen müssen wir früh raus. Gute Nacht!
Übrigens: Heute habe ich überhaupt keine Fotos gemacht. Ich hatte einfach keine Kraft dazu.