Die zweite Nacht in Dingboche war wieder sehr, sehr kalt. Dieses Mal haben wir beide besser geschlafen, wenn auch nicht so richtig gut. Jedenfalls war das Wasser in Yesims Trinkflasche heute Morgen gefroren. Die Wasserleitungen stellt man hier – es ist zur Zeit eigentlich die wärmste Jahreszeit – zur Sicherheit ab, weil sonst die Rohre zerbersten. Erst wenn die Sonne die Umgebung etwas wieder aufgewärmt hat, gibt es fließendes Wasser. So gab es die Katzenwäsche heute halt aus der Trinkflasche.

Nach dem Frühstück ging es pünktlich um kurz vor Acht los Richtung Lobuche. Das ist eine Ansammlung von Hotels bzw. Lodges am Fusse des gleichnamigen Berges. Zunächst folgte ein kurzer, leichter Aufstieg, dann führte ein immer leicht ansteigender, sehr gut zu laufender Weg auf dem Rücken des Nangkartshang nach Nordwesten.
Wir ließen links den Taboche (6.495m) liegen und überquerten dann nach ungefähr 4,5 km am Fuße des Cholatse (6.440m) einen kleinen Fluss, der sich aus dem Khumbu-Gletscher speist. Hier konnten wir auch das erste mal den höchsten Gletscher der Erde sehen. Er türmt sich wie ein Berg auf und wüsste man nicht, dass unter dieser Ansammlung von Felsen, Geröll und Sand das Eis des Mount Everest und des Lhotse liegt, man würde es für einen normalen Berg halten. Der kristallklare Gletscherstrom liegt in einem Bett aus weißen Felsen und Steinen. Diese muss man übersteigen und dann noch das letzte Stück über eine Holzbrücke gehen.

Hinter dem Strom legten wir eine kurze Pause in der Yak Lodge in Thukla ein, tranken Tee und aßen unsere mitgebrachten Energieriegel. Auf ein Mittagessen verzichteten wir, es war auch gerade erst 10 Uhr. An dieser Raststelle kann man auch Pferde mieten, und wie wir später hören sollten, hat sich unser brasilianischer Mitreisender tatsächlich aus Erschöpfung ein eben solches gemietet (Kosten: 100 USD).

Nach der Rast folgte dann leider der schwere Teil der Strecke. Es ging ungefähr 1 Stunde lang bergauf. Wir kämpften uns Schritt für Schritt nach oben. Der Scheitelpunkt war dann auf 4.842m Höhe die Gedenkstätte Chukpi Lhara für die verunglückten Sherpas und Bergsteiger. Für jeden Toten kann hier eine Steele aus Steinen aufgestellt oder ein Felsen beschriftet werden. Es stehen unzählige solcher Denkmäler, teilweise mit Plaketten, teilweise mit Bildern.
Eine der berühmtesten ist die für Babu Chiri Sherpa (1965-2001), der bei seiner 11. Besteigung des Mount Everest verunglückt war. Er hatte auch zwei Rekorde aufgestellt. So hatte er den Mount Everest in nur knapp 17 Stunden bestiegen und sich am Summit ohne Sauerstoff für 21 Stunden aufgehalten.

An der Stelle der Gedenkstätte zweigt übrigens auch der Weg zum Cho La-Pass ab, den wir auf dem Rückweg nehmen werden. Unser Weg führte und nun rechts um das Ende des Gletschers herum, so dass wir auf der westlichen Seitenmoräne liefen. Der Lobuche türmte sich rechts von uns auf. Wenig später passierten wir das Basecamp des Lobuche, wo sich eine Expedition niedergelassen hatte, die den Lobuche wohl besteigen wird.

Foto: Lobuche-Basecamp
Auf dem Weg zu unserer Unterkunft in Lobuche konnten wir nun die nächsten beeindruckenden Gipfel sehen: Pumori (7.161m), Lingtren (6.714m), Kumbutse (6.636m) und Nuptse (7.861m). Wir waren nun in Reichweite der Siebentausender.

Es war übrigens viel los. Einerseits gibt es viele Trekker, die wie wir das „EBC“ erreichen möchten oder einen der Pässe oder kleineren Gipfel besteigen wollen. Andererseits finden zur Zeit die professionellen Expeditionen beispielsweise am Lobuche oder Mount Everest statt. Und da muss halt auch jeder Teilnehmer die selbe Akklimatisierung wie wir durchmachen und die Strecke laufen. So ergießt sich durch die Khumbu-Region aktuell ein Strom aus augenscheinlich professionellen Bergsteigern, mehr oder weniger sportlichen Amateuren jeden Alters und Leuten, denen man von einer solchen Tour eher abgeraten hätte. Und es flogen auf der gesamten Tour etliche Helikopter über uns, die meist Material zu den Expeditionen schaffen oder Trekker, die aufgegeben haben, nach Lukla zurückfliegen.

Das letzte Stück war dann eigentlich nicht mehr so schwer, trotzdem zog es sich endlos. Bis wir dann endlich im Ort Lobuche angekommen waren, waren wir fix und fertig. Wir erreichten unsere Lodge, mussten aber erfahren, dass unsere Zimmer nicht frei sind. Eine Gruppe hatte sich entschieden, eine weitere Nacht in Lobuche zu bleiben. Vielleicht gab es einen Krankheitsfall. Jedenfalls aßen wir dort noch ein Mittagessen und zogen dann um in das National Park Hotel.
Unser Zimmer ist wieder ein Bretterverschlag mit 2 Pritschen. Darauf liegen 2 Matratzen und es gibt je ein Kissen und eine Decke. Das Klo (1x westlich, 1x Plumsklo) befindet sich in einem anderen Teil der Lodge. Die Waschgelegenheit besteht aus einem Wassertank mit Hahn im Hof. Es wird morgen dann wohl eine sehr überschaubare Katzenwäsche.
Der Brasilianer, der das letzte Stück mit dem Pferd zurückgelegt hatte, ist übrigens auch in unserem Hotel. Es geht ihm aber so schlecht, dass er sich ausfliegen lassen möchte. Heute ging das aufgrund schlechter Wetterverhältnisse in Lukla nicht mehr. Er muss wohl oder übel die Nacht in seinem eiskalten Zimmer verbringen.
Wir hielten uns nachmittags noch ein bisschen in der wärmenden Sonne auf und dann am 15:30 Uhr, nachdem endlich der Ofen angemacht worden war, im Gastraum. Das Abendessen war wieder gebratener Reis und Bratkartoffeln mit Ei. Die Auswahl beschränkt sich überall auf 5-6 Gerichte in 2-3 Varianten. Aber wir wollen uns nicht beschweren. Es ist nahrhaft und gut. Und man muss froh sein, dass es sowas hier oben überhaupt gibt. Denn alles muss auf dem Rücken eines Tieres oder Trägers herbeigeschafft werden. Ein Helikopter fliegt sowas nicht nach oben. Das wäre viel zu teuer.
Nach dem Abendessen besprachen wir mit unserem Guide Naran noch die morgige „Königsetappe“ zum Basecamp. Es wird lang und schwer und daher müssen wir früher raus. Insofern sind wir gegen 20 Uhr in unser kalten Schlafsäcke geglitten. Gute Nacht!
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