Die Nacht in den beheizten Betten in Deboche war verhältnismäßig gut. So richtig durchgeschlafen haben wir beide hier noch nie, aber das liegt womöglich an der Höhe. Jedenfalls war der Blick aus dem Fenster unseres Zimmers großartig: Direkte Sicht auf den Mount Everest. Diesem sollten wir heute immer näher kommen.
Das Frischmachen war heute wieder eine Tortur, weil es wirklich klirrend kalt im Zimmer war. Zähneputzen und Waschen mit Wasser, das ein paar Grad über Null ist, ist schon eine Herausforderung. Dann auch schnell die Tasche packen, denn die wird früh abgeholt. Das Frühstück im kalten Gemeinschaftsraum spulten wir schnell ab, damit wir raus in die Sonne konnten.
Der Weg verlief anfangs horizontal mit leichter Steigung und Gefälle. Wie auch immer: Die ersten 10 Minuten dreht man völlig am Rad. Danach ist man einigermaßen aufgewärmt und es geht wieder.
Heute überschritten wir die letzte Hängebrücke. Von dort aus hatte man einen tollen Blick auf den Ama Dablam (6.856m), dem wir heute auch immer näher kommen sollten. Auch die Spitze des Everest konnten wir einen Teil des Weges sehen, dann verschwindet er langsam hinter dem Lhotse (8.516m) und versteckt sich für eine lange Zeit. Wir werden ihn wohl erst in Gorak Shep wiedersehen.

Die Strecke war insgesamt gut zu laufen. Wenig Steigung, wenig Stufen, dafür umso mehr Sand. An dieser Stelle sei gesagt, dass man auf Steinen schlecht laufen kann, tiefer Sand ist jetzt aber auch nicht viel besser.
Die Vegetation wechselte nun endgültig ins steppenhafte. Die Baumgrenze liegt anscheinend bei ca. 4.000 Metern, Bäume sieht man eigentlich keine mehr, nur noch kleine Büsche, Gras und Flechten.

Was die Tierwelt betrifft: Neben Raben und ein paar Adlern haben wir heute auch einen Schwarm kleiner Vögel gesehen. Und natürlich jede Menge Yaks, Jopke und Pferde.

Heute kamen wir durch den Ort Pangboche. Dort hielten wir uns aber nicht lange auf, sondern gingen rasch weiter. Es war recht warm, so dass ich im langärmeligen Shirt lief. Yeşim hatte sogar nur ein T-Shirt an.
Auf halber Strecke machten wir dann bereits gegen 10:15 Uhr Lunch-Rast mit Blick auf die zurückgelegte Strecke und die Berge, denen wir nun immer näher gekommen waren, vor allem der Ama Dablam.

Heute haben wir mal weniger als die letzten Tage zu Mittag gegessen, auch weil es einfach noch sehr früh war. Yeşim aß eine Art vegetarischen Burrito und ich eine vegetarische Suppe. Dazu frittierte Kartoffelecken. Kartoffeln sind einige der wenigen Gemüse, die hier in der kargen und steinigen Gegend angepflanzt werden. Vor allem in Dingboche, wohin wir heute unterwegs waren.
Nach dem Mittagessen führte uns der Weg recht gemächlich und nur leicht ansteigend weiter. Zwischendurch gab es immer mal wieder ein paar Anstiege, und dort bemerkt man dann auch, dass wir jetzt schon über 4.000 Höhenmeter sind. Einmal mussten wir ein ganzes Stück absteigen, um den kleinen aber reißenden Fluss Imja zu überqueren. Die Höhe mussten wir dann dahinter leider wieder gut machen. Das war dann der anstrengendste Teil des heutigen Tages.

Übrigens war es spätestens dort wirklich sehr windig. Wir hatten unsere langen Shirts angezogen, ein Halstuch ist gut gegen den Wind und außerdem kann man es schnell gegen den Staub, der oft aufgewirbelt wird, benutzen. Ich habe in den letzten Tagen wohl viel davon eingeatmet, denn ich muss ab und zu Husten. Das ist der nach der Region benannte Khumbu-Husten.

Den Rest der Strecke ging es durch ein augenscheinlich altes Bett eines Gletschers. Alles war sandig und überall lag Geröll und einige riesige Felsen, die der Gletscher wohl mal dort abgelegt hat. Es ist schon sehr interessant, welche verschiedenartigen Vegetationen wir durchwandert haben. In Kathmandu ist es tropisch. Ab Lukla ist es sehr grün und sieht aus wie in einen europäischen Mittelgebirge. Hinter Namche Bazar ist es noch waldig, eher alpin. Und jetzt ist es fast wie in einer Wüste oder Steppe.
Gegen 13 Uhr – also nach 5 Stunden – erreichten wir Dingboche. Wir sind im Good Luck Hotel untergebracht. Dieses ist richtig groß und gut gefüllt. Als wir ankamen, saßen im Gastraum schon einige Wandergruppen.

Dingboche selbst ist ein beliebter Ort, um die zweite Akklimatisierung zu machen. Hier auf 4.400 Höhenmeter kann man dich gut auf die 5.000 Höhenmeter vorbereiten. Das werden wir dann morgen früh auch tun.
Unser Zimmer hat ein separates WC und einen tollen Ausblick auf den Ama Dablam. Es war durch die Sonne, die durch ein Seitenfenster hineinstrahlt, sehr schön aufgewärmt. Wir haben dann schnell noch ein wenig Wäsche gewaschen und in die Sonne gehängt.

Abends gingen wir in den Gastraum, der leider noch kühl war, aber dafür voll mit Leuten. Den rund 70jährigen Brasilianer, der in Kathmandu in unserem Hotel gewohnt hatte, haben wir in den letzten Tagen immer wieder gesehen und gesprochen. Er geht die gleiche Strecke wie wir, allerdings mit einem eigenen Guide. Mit ihm haben wir das Abendessen verbracht.
Dann ging es recht früh auf‘s Zimmer. Morgen früh geht es auf einen nahegelegenen Hügel. Da wollen wir fit sein. Nun liegen wir um 20:40 Uhr eingehüllt mit Schlafsack und dicker Decke im inzwischen kühlen Zimmer. Gute Nacht!