▲ Chris @ Himalaya 2.0

Tag 3 · 21. April 2022

Akklimatisierungstag 1

Route
in Namche Bazar
Strecke
1,5 km
Gesamt
20,5 km
Höhenmeter
+335

Ich will es überhaupt nicht abstreiten: Ich liebe das Trekking, aber von mir aus muss ich weder in irgendeiner zugigen, unbeheizten Kammer knapp über dem Gefrierpunkt oder gar in einem Zelt übernachten. Leider gehört das oftmals dazu. Und so mussten wir auch dieses Mal in unsere Schlafsäcke schlüpfen. Um es direkt zu verraten: Wir haben beide kaum geschlafen.

Zuerst war es zu kalt. Später zu warm. Man findet keine gute Schlafposition, weil der Schlafsack sich zu den Beinen hin verjüngt und gewohnte Positionen unmöglich macht. Dann muss man natürlich nachts aufs WC, weil man den ganzen Tag und auch abends viel trinkt. Also raus aus dem warmen Schlafsack und rein ins eisige Bad. Inzwischen kühlt der Schlafsack wieder ab. Und das alles mit einer Funzel auf dem Kopf.

Die Nacht war gegen 6:30 Uhr zu Ende. Dann hieß es, sich frisch machen im kalten Zimmer, anziehen und frühstücken. Heute mal French Toast und Omlette.

Um 8 Uhr ging es dann zu unserem Akklimatisierungslauf. Ziel war ein auf rund 3.800m gelegener Aussichtspunkt in Syangboche. Von da aus hätte man auch den zweiten Blick auf den Mount Everest erhaschen können, wenn es nicht so wolkig gewesen wäre. Der erste Blick von einem Viewpoint auf der Strecke Phakding – Namche Bazar war uns am Vortag leider auch schon aufgrund der Bewölkung verwehrt geblieben.

So konnten wir aber zumindest die anderen Berge in der Nähe sehen, u.a. den 6.608m hohen Thamserku.

Thamersku (6.608m)

Die Strecke selbst war wieder einmal ganz schön anstrengend. Steinige „Treppen“, natürlich jede mit einer unterschiedlichen Tritthöhe, ließen uns schnell aus der Puste kommen. Weiter oberhalb war der Weg dann eher sandig oder mit flachem Gras bewachsen. Da ließ es sich schon besser laufen, zumal die Steigung nicht mehr so steil war.

Insgesamt haben wir heute 330 Höhenmeter gemacht und sind diese auch wieder heruntergestiegen. Dies ist wichtig, damit sich der Körper langsam an die dünne Luft gewöhnt und wir keine Höhenkrankheit bekommen. Denn die kann lebensgefährlich sein.

Bei unseren nächsten Zielen schlafen wir dann auf 3.700m, 4.400m, 4.800m und 5.200m. Auf 4.400m gibt es den zweiten Akklimatisierungstag.

Unsere heutige Pflicht-Exkursion endete nach rund 3 Stunden gegen 11 Uhr. Dann kam das heutige Highlight: Duschen. Wie man sich über so eine für uns normale Sache doch richtig freuen kann. Das Wasser war durch die Solarkollektoren warm genug. Und auch das kalte Badezimmer und das ungewohnte Handtuch aus Mikrofiber konnte unsere Freude nicht mindern. Wir haben dann gleich noch unsere Unterwäsche gewaschen und draußen zum Trocknen aufgehängt. Die von mir am letzten Tag vor der Reise noch erworbene Wäscheleine ist inzwischen der heimliche Star der Reise.

Nach dem Mittagessen in der Lodge (Pizza und Nudeln) gingen wir runter in den Ort. Denn unsere Lodge „Namche Guest House“ befindet sich fast ganz oben in Namche Bazar.

Wir spazierten die Hauptstraße bis fast ganz unten am Ortseingang, schauten uns dort die „Stupa“ sowie ein Memorial an.

Eine Stupa ist ein buddhistisches Monument, welches im Inneren z.B. Relikte enthält. Die Stupa in Namche Bazar hat an ihren Außenseiten 8 x 12 kleine Gebetsmühlen.

Namche Bazar Stupa

Das unmittelbar daneben errichtete Memorial gedenkt an Late Pemba Doma Sherpa, die erste Nepalesin, die den Mount Everest bestiegen hat. Sie ist eine von zwei Frauen, die den Berg sogar zwei Mal bestiegen hat. 2007 ist sie leider beim Besteigen des 8.516m hohen Lhotse tödlich verunglückt. Mit gerade einmal 36 Jahren.

Late Pemba Doma Sherpa

Unser Spaziergang führte uns dann an einigen Geschäften vorbei, wo wir noch Kleinigkeiten kaufen. Außerdem sahen wir uns den Wochenmarkt an, für den Namche Bazar bekannt ist, der aber leider nur freitags stattfindet.

Überall im Ort trifft man auf Tiere. Hunde streunen durch die Gassen, vor allem viele ganz junge. Dann gibt es oft Hühner oder Kühe, die in der Stadt herumlaufen. Und natürlich Esel, die allerdings Dinge transportieren.

Esel auf dem Weg zum Markt

Nach einer kurzen Kaffeepause auf einer Sonnenterrasse eines Cafés stiegen wir dann wieder hinauf zu unserer Lodge.

Der restliche Nachmittag verlief ruhig. Wir wollten Kraft für die kommenden Tage sammeln. Wir saßen in der guten Stube um den Ofen und nahmen dann das Abendessen (vegetarisches Reisgericht, Bratkartoffeln mit Spiegelei, Dal Bhat) zu uns.

Die gute Stube

Jetzt um 21 Uhr werden wir schlafen. Der Wecker wird um 6:30 Uhr klingeln. Gute Nacht.

Selfie mit weißem Kalb